In diesem letzten Beitrag der Reihe „Enneagramm-Homöopathie bei Erwachsenen“ geht es um den 53-jährigen Walter B., der wegen immer wiederkehrenden Hämorrhoidalblutungen und Adipositas (Fettleibigkeit) zu mir in die Praxis kommt.
Das Hauptproblem sei, dass er fast bei jedem Stuhlgang hellrotes Blut in der Toilette vorfinde, ein Umstand, der ihn immer sehr beunruhige.
Vor einem Monat sei er zur Abklärung ins Krankenhaus gegangen. Eine Darmspiegelung (Koloskopie) hätte zum Glück nur den Befund „Hämorrhoidalleiden, Stadium II“ erhalten, außerdem hätten die Ärzte im Krankenhaus bei Herrn B. eine Fettleber aufgrund von Überernährung diagnostiziert. Der Patient leidet an Adipositas Grad I mit einem BMI (Body-Mass-Index) von 31.
Herr B. arbeitet bei der Arbeitsagentur in ausschließlich sitzender Tätigkeit und ist nach eigenen Angaben zu träge, um sich in seiner Freizeit ausgleichend zu bewegen.
Erschwerend kommt hinzu, dass sich Walter B. häufig von Fertigprodukten und Fastfood ernährt und wenig auf eine gesunde Ernährung achtet. Auch nach der Arbeit sitzt er häufig vor dem Computer oder Fernseher und isst dabei gern Süßigkeiten.
Weiterhin hat er einen hohen Schlafbedarf von 9 Stunden täglich. Der Patient ist seit 10 Jahren geschieden und lebt seitdem allein.
Im Rahmen der Anamnese wird schnell deutlich, dass es sich bei Herrn B. um den sog. selbsterhaltenden Typ 9 nach der Enneagramm-Lehre handelt.
Das sind Menschen, die übermäßig an das Physische (Essen, Schlafen, Besitz von Materiellem in jeglicher Form) gebunden sind als Ersatz für Liebe und Zuneigung. Es sind oft dicke Menschen mit einem großen Bauch.
Der Wunsch nach Liebe ist sozusagen in den Körper übergegangen; es sind sehr freundliche, liebende Menschen, aber tief im Inneren haben sie das Gefühl, selbst nicht geliebt zu werden. Fröhlichkeit und Güte füllen die innere Resignation aus und die Befriedigung mit Dingen aller Art führt zu Selbstvergessenheit/-betäubung gegenüber dem, was wirklich wichtig ist.
Nach der Gabe des entsprechenden homöopathischen Heilmittels im Rahmen der Enneagramm-Homöopathie passiert zunächst gar nichts. Erst durch die wiederholten Gaben des Mittels in aufsteigenden Dosierungen ergeben sich im Laufe von Monaten die ersten Zeichen der Verbesserung seines Gesundheitszustandes.
Zunächst bleiben die Blutungen aus dem After für einige Wochen aus, kehren dann aber wieder. Nach weiterer Therapie ist Walter B. schließlich in dieser Hinsicht dauerhaft beschwerdefrei.
Nach und nach nimmt er auch geringfügig, aber deutlich an Gewicht ab: Zu Beginn der Behandlung wog er bei einer Körpergröße von 1,76 m 96 kg und sein BMI lag demnach bei 31.
Vier Monate später wiegt er noch 90 kg und sein BMI bei 29,1. Herr B. ist weiterhin in Behandlung wegen seines noch bestehenden Übergewichtes, allerdings hat er während der letzten Monate erkannt, dass er mehr auf sich und seinen Körper achten sollte.
Er macht nun moderate, aber regelmäßige Spaziergänge von 30 Minuten täglich und hat die Menge der täglichen Nahrungszufuhr deutlich reduzieren können.
Walter B. hat nun durch erste Erfolge bei seiner Gewichtsreduktion deutlich mehr Lebensfreude, trifft sich auch wieder häufiger mit alten Freunden und ist auf einem guten Weg zu einem immer besseren gesundheitlichen Gleichgewicht.
Detlef Rathmer, Heilpraktiker und Homöopath, u.a. Autor der Bücher „Wer du wirklich bist“ und „Rathmer`s großes Enneagramm-Lexikon von A-Z“
Heute möchte ich über den 44-jährigen Patienten Thomas Z. berichten, der mich aufsucht, weil er seit ca. 10 Jahren unter manischer Depression (heute besser bekannt als bipolare affektive Störung) leidet.
Sie zeigt sich bei den Betroffenen durch episodische, willentlich nicht kontrollierbare und extreme zweipolig entgegengesetzte (bipolare) Auslenkungen des Antriebs, der Aktivität und der Stimmung, die weit über dem Normalniveau abwechselnd in Richtung Depression oder Manie reichen.
So auch bei diesem Patienten, der in Phasen der Manie seine Freunde anrief und ihnen mitteilte, er sei der Nachfolger von Jesus und sie hätten das Glück mit ihm befreundet zu sein; in Zeiten der Depression verfiel er zunehmend selbstzerstörerischen Gedanken an Selbstmord.
Thomas hatte schon einige längere Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken
Er fühlte sich dann immer genötigt und getrieben zum Suizid, aber letztlich hatte er Angst vor den Folgen für seine Familie und Freunde. So hatte Thomas Z. schon einige längere Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken hinter sich, als er zu mir in die Behandlung kam.
Derartige Fälle sind mit Sicherheit nicht ganz leicht zu behandeln, weder mit den gängigen schulmedizischen (psychiatrischen) Therapieformen noch durch die Anwendung der Homöopathie.
Während aber bei der psychiatrischen Therapie versucht wird, den Patienten bzw. dessen Symptome durch chemisch wirkende Medikamente zu behandeln (Neuroleptika in manischen Phasen, Antidepressiva in depressiven Episoden der Erkrankung), versucht man im Rahmen der Homöopathie, auf anderer Ebene den Menschen in seiner Gesamtheit einzuschätzen und ein individuelles homöopathisches Heilmittel zu finden, welches die Gesamtheit des menschlichen Verhaltens in der Krankheit widerspiegelt.
Im Rahmen der Patientenbefragung kam heraus, dass bereits die Kindheit von Herrn Z. überlagert war von allen möglichen Formen der Gewalt durch seinen alkoholsüchtigen Vater. Diese psychische und physische Gewalt führte in Thomas Z. schon sehr früh zu dem starken Wunsch nach Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Schon mit 15 Jahren zog er von zu Hause aus und begann eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer. Bis heute übt er diesen Beruf mit Leidenschaft aus.
Ferner wird während der Anamnese deutlich, dass er stark dazu neigt, seine Mitmenschen zu kontrollieren und er in zwischenmenschlichen Beziehungen oft sehr rücksichtslos agiert. Er nimmt insgesamt viel Raum ein, besitzt eine große körperliche Präsenz, verfügt über immense Energie und Intensität, spricht immer das aus, was er denkt, mitunter kann er dabei aber auch konfrontierend und fordernd auftreten.
Er ist stark selbstbezogen und verfügt tendenziell über wenig empathische Qualitäten
Alles in allem hat er ein lautes Verhalten an sich und möchte immer gesehen und gehört werden, gerade von seinen Beziehungspartnerinnen. Er ist stark selbstbezogen und verfügt tendenziell über wenig empathische Qualitäten im zwischenmenschlichen Umgang.
Aufgrund dieser und vieler weiterer Indizien wird mir klar, dass Thomas Z. dem Enneagramm-Typ 8 entspricht und ich verordne ihm daraufhin das seiner Enneagrammfixierung entsprechende homöopathische Arzneimittel.
Durch die Mittelgabe sowie die Beschäftigung mit seinem Enneagramm-Typ 8 lernt der Patient im Laufe der darauffolgenden Monate, seine sanften Züge an sich zu entwickeln und die eigene Verletzlichkeit zu zeigen. Er erkennt in dieser Zeit, dass er den Abwehrmechanismus der Leugnung von eigener Schwäche und Bedürftigkeit (typisch für den Typ 8) aufgibt und lernt, sich anzupassen, auch an die Widrigkeiten des Lebens selbst.
Seit ca. einem Jahr befindet sich Thomas Z. in homöopathischer Behandlung; seine schulmedizinischen Medikamente hat er seitdem auf ein Mindestmaß reduziert, dabei geht es ihm psychisch trotzdem deutlich besser als vor der Therapie.
Seitdem gab es noch keinen weiteren Anlass für eine Einweisung in die Psychiatrie oder sonstige stark von der Norm abweichende psychische Ausfallerscheinungen. Seine Arbeit im Garten- und Landschaftsbau kann er seit einem Jahr ohne große Unterbrechungen ausüben.
Dieser Fall ist mit Sicherheit schon aufgrund der Art der Erkrankung noch längst nicht endgültig abgeschlossen, er zeigt aber überaus deutlich, dass man auch begleitend zu einer psychiatrischen Therapie durchaus auch mit der Homöopathie und Selbsterkenntnisprozessen im Rahmen der Enneagramm-Lehre große Verbesserungen des gesundheitlichen Gleichgewichtes erzielen kann.
Im nächsten Beitrag dieser Reihe von Therapien im Rahmen der Enneagramm-Homöopathie geht es um den Typ 9. Als Beispiel aus der Praxis dient der 53-jährigen Walter B., der Hilfe sucht wegen seiner immer wiederkehrenden Hämorrhoidalblutungen und Adipositas (Fettleibigkeit).
Detlef Rathmer, Heilpraktiker und Homöopath, u.a. Autor der Bücher „Wer du wirklich bist“ und „Rathmer`s großes Enneagramm-Lexikon von A-Z“
Viele, die mit dem Enneagramm zum ersten Mal in Kontakt kommen sind der Auffassung, dass die Selbstbestimmung ja gar nicht so schwierig sein kann, da es ja „nur“ 9 Typen gibt. Gurdjieff, der das bis dahin größtenteils mündlich überlieferte Enneagramm-Wissen nach Europa brachte, war da ganz anderer Auffassung. Oft wird behauptet, dass er die einzelnen Persönlichkeitstypen des Enneagramms deshalb nicht lehrte, weil er sie noch nicht in dieser speziellen Form kannte, wie sie später erst von Naranjo und seinen SchülerInnen ausgearbeitet und schriftlich fixiert wurden. In der Tat gibt es erst deutlich nach dem Tode Gurdjieffs erste schriftliche Hinweise auf die 9 Persönlichkeitstypen. Natürlich aber wusste auch Gurdjieff, dass diese 9 Urprinzipien sich ebenso im Wesen jedes Menschen widerspiegeln, erkannte er als spiritueller bewusster Lehrer doch diese (unbewussten) Abwehrmechanismen seiner SchülerInnen ganz deutlich. Gurdjieff lehrte sie allerdings hauptsächlich bestimmte einzelne Bewegungsabläufe (Tänze), die in Beziehung zum System des Enneagramms stehen, aber keine Persönlichkeitstypen, da er der Auffassung war, dass seine SchülerInnen aufgrund ihrer Unbewusstheit ihren eigenen Typ nicht würden erkennen können, denn dieser Enneatyp war für ihn das Fundament für die Persönlichkeit und somit musste dieser durch ihn verborgen bleiben. Aus diesem Grund wies er seine SchülerInnen lediglich darauf hin, dass es 9 „Hauptcharaktere“ im Menschen gebe und dass jeder Mensch einen von ihnen zur Grundlage seiner Persönlichkeit habe. Aufgrund seiner Erfahrung wusste Gurdjieff allerdings, dass die Eigentypisierung dem Versuch gleiche, sich selbst an den Haaren aus einem Morast zu ziehen. Der Schwerpunkt seiner Arbeit als spiritueller Lehrer lag daher weniger in der Darstellung der Charaktereigenschaften der einzelnen Enneagrammtypen, sondern darin, den Menschen an sich bewusster zu machen und damit zu einem freieren, befreiten Wesen. So lehrte er sie immer wieder die „Selbsterinnerung“, um ihnen durch die daraus folgende erhöhte Bewusstheit Befreiung von ihrer individuellen Enneagrammfixierung zu ermöglichen. Er erkannte, dass nur durch den Weg von tiefer Unbewusstheit zur Bewusstheit die Möglichkeit der Selbsterkenntnis bestehen würde, auch der Selbsterkenntnis über die eigene Enneagrammstruktur, die jeweils in einem selbst vorherrscht. Eine einseitige gedankliche Fixierung auf einzelne Persönlichkeitstypen war nach Gurdjieff wenig erfolgversprechend, um den eigenen Typ selbst bestimmen zu können.
Nach meiner Erfahrung typisieren sich relativ viele Menschen vorschnell falsch, weil dabei der Wunsch häufig der Vater des Gedankens ist. Natürlich gibt es davon auch Ausnahmen, Menschen, die mit einem Mal schicksalhaft in einem lichten Moment die Wahrheit über ihren Typ erkennen, sei es durch das Lesen einiger Zeilen in einem Enneagramm-Buch, sei es durch andere Lebensumstände, während viele andere jahrelang das Enneagramm verstandesorientiert studieren und dabei aufgrund des berühmten blinden Flecks für die eigenen Persönlichkeitsmerkmale auf keinen grünen Zweig kommen, was die richtige Eigenbestimmung betrifft. Sicherlich mag es heutzutage tendenziell mehr Menschen geben, die zu dem notwendigen Grad an wahrer Selbstbewusstheit neigen, aber es gibt heute aufgrund des digitalen Zeitalters auch deutlich mehr Menschen, die in tiefer Unbewusstheit dem Leben gegenüber ihren verzweifelten Weg immer weiter gehen und dabei versuchen, mithilfe des Enneagramms die Widrigkeiten ihrer Lebensumstände beseitigen zu wollen, perfekter, liebenswürdiger, erfolgreicher, besser, schöner, fröhlicher, glücklicher, mächtiger, sicherer, wissender, harmonischer oder gar authentischer werden möchten und sich bei dem Versuch immer mehr von sich selbst entfernen, jeder auf seine enneagrammtypische Art und Weise, was dann zu noch größerer Unbewusstheit führt. Das alles mag ein wenig ernüchternd, ja gar pessimistisch klingen, aber nur für die Persönlichkeit, die immer schnelle Lösungswege sucht, auch mit der Hilfe des Enneagramms. Für das unterhalb unserer Fixierung befindliche wahre Selbst ist es jedoch eine frohe Botschaft, denn es möchte in jedem Menschen im Laufe seines Lebens immer deutlicher erkannt werden, was wir dann allgemein Bewusstseinserweiterung nennen, also einen Zustand, in dem wir jenseits unserer Persönlichkeit, unserem ständigen Habenwollen und unserer Enneagrammfixierung auf diese recht vorurteilsfrei schauen können, sie dadurch erkennen und Befreiung im lebendigen Sein im sog. Hier-und-Jetzt erlangen können, denn nur da ist sie zu finden, die notwendige Bewusstheit, nicht immer aber immer öfter. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern dieses Blogs ein gutes und vor allem bewusstes Neues Jahr 2018!
Heute berichte ich über Frau Anja F., Verkäuferin in einem Lebensmittel-Discounter, die seit ihrer Jugend unter migräneartigen Kopfschmerzen und seit einigen Monaten an Gallensteinkoliken leidet. Sie wird von ihrem Mann, der sehr besorgt ist über ihren hohen Schmerzmittelkonsum, im Juli 2014 geschickt.
Da sie regelmäßig unter starken Migräneanfällen leidet, nimmt sie immer höhere Dosen an Analgetika (Schmerzmittel) zu sich, die immer weniger Wirkung zeigen. Sie selbst nimmt diese Tatsache gelassen hin, jedoch ihr Arbeitgeber ist durch die vermehrten Fehltage bereits in Sorge wegen eines zuverlässigen Arbeitseinsatzes.
Allgemeinmedizinische Behandlungen brachten bislang keinen Erfolg, ein kürzlich gemachtes MRT (Magnetresonanztomographie) ihres Kopfbereiches war unauffällig. Der Schmerz breitet sich plötzlich vom Schulter-Nacken-Bereich über den Hinterkopf auf den gesamten Kopf aus, was dann letztlich auch in Sehstörungen mündet (Einschränkung des Sehfeldes, Flimmern vor den Augen).
Zu ihrer Vorgeschichte ist zu sagen, dass sie als Kind an Scharlach erkrankt war und der Blinddarm (Wurmfortsatz, Appendix) aufgrund einer akuten Entzündung entfernt wurde. Seit Ihrer ersten Regelblutung (Menarche) leidet sie bis heute an verstärkten und verlängerten Monatsblutungen (Menorrhagie). Auch die Gallensteinkoliken werden bei Frau F. von besonders heftigen Schmerzattacken begleitet.
Vor mir sitzt eine gut gelaunte, lebendige und optimistisch wirkende Frau voller Lebensfreude und lacht mich immer wieder an, während sie über ihre Symptomatik berichtet. Auffallend sind ihre roten Wangen und ihr warmer, fröhlicher Blick, ihre Gesichtszüge sind entspannt, milde.
Aufgrund dieser und weiterer Indizien habe ich die Patientin als Typ 7 des Enneagramms eingestuft und ihr ein entsprechendes homöopathisches Heilmittel verschrieben. Zunächst änderte sich am Gesundheitszustand der Patientin nur sehr wenig, sodass ich anfänglich glaubte, dass ich mit meiner Einschätzung daneben gelegen habe.
Dann aber nach ca. vier Wochen und einer Mittelwiederholung kam es in großen Schritten zu einer Entspannung des angeschlagenen Organismus, insbesondere die Kopfschmerzproblematik verschwand zusehends. Es folgte eine sehr heftige Gallensteinkolik im September 2014, danach traten an diesem Organ keine vergleichbaren Beschwerden mehr auf.
Jetzt (Mai 2015) ist die Patientin annähernd beschwerdefrei und berichtet stolz, dass sie seit Beginn des Jahres 2015 keinerlei Schmerzmittel mehr nehmen musste.
Im nächsten Beitrag dieser Reihe der Enneagramm-Homöopathie geht es um Thomas Z., einen Arbeiter im Garten- und Landschaftsbau, welcher unter manischer Depression litt.
Detlef Rathmer, Heilpraktiker und Homöopath, u.a. Autor der Bücher „Wer du wirklich bist“ und „Rathmer`s großes Enneagramm-Lexikon von A-Z“
In dem heutigen Bericht aus meiner Naturheilpraxis geht es um den 53-jährigen Schulleiter Günter L., der seit Jahren unter Versagensängsten leidet. Die Angst zu versagen hat zahlreiche negative Auswirkungen auf unser Denken, Fühlen und Handeln und sie wirkt sich auch negativ auf unseren Beruf und unsere Beziehungen aus.
So auch bei Herrn L., der darüber klagt, dass er ständig unter Druck und Erfolgszwang stehe, nervös und reizbar sei, sich über sich selbst und seine Angst ärgern würde und einfach in vielen Situationen nicht selbstbewusst genug sei. Er bekommt seine Angst und sein mangelndes Selbstwertgefühl einfach nicht in den Griff.
Darüber hinaus leide er in diesem Zusammenhang auch unter Denkblockaden, Konzentrationsstörungen und körperlichen Reaktionen wie starkem Schwitzen unter den Armen bei Schulkonferenzen sowie ständiger Anspannung und Wortfindungsstörungen.
Auch privat hat er ständig Sorge, im Bett zu versagen, zumal er auch gerade in stressigen Lebenssituationen an vorzeitigem Samenerguss (Ejaculatio praecox) leide, was die Beziehung zu seiner Frau auch nicht einfacher machen würde. Aus diesem Grunde hätte er eigentlich schon gar keine Lust mehr an Sex und würde sich dann lieber in seine Arbeit stürzen.
Durch seine ständige Angst fehle ihm auch die in seiner Funktion als Schulleiter notwendige Souveränität; dies führe dazu, dass er mit immer mehr Regularien und Kontrollmechanismen versuche, die Führung der Schule zu gewährleisten, was ihm kurzfristig ein sichereres Gefühl verschaffe.
Die Mitarbeiter/Lehrer halten dies für übertrieben und entziehen sich immer mehr seinem Einflussbereich, was seine Symptomatik noch verstärkt. Er selbst würde dabei gegenüber seinen Kollegen immer misstrauischer und skeptischer.
Er befinde sich in einem Zustand ständiger Anspannung, um die Ordnung in der Schule aufrecht zu erhalten und würde immer misstrauischer und herrischer gegenüber dem Kollegium und auch den Schülern. Durch seine ständige Angst, kann er sein Potenzial einfach nicht ausschöpfen und befürchtet stets durch Fehler zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Durch die Schilderung dieser und weiterer Verhaltensweisen im Rahmen der Anamnese bestätigte sich die Enneagrammfixierung des Typs 6, welche mich zu dem passenden homöopathischen Heilmittel führte. Auch die Qualität seines Blickes unterstrich diese Diagnose, denn trotz seiner leitenden Position sprachen Unsicherheit, Anspannung und Angst aus seinen Augen.
Ich habe den Patienten in den letzten zwei Jahren homöopathisch begleitet und ihn auch für die Arbeit mit dem Enneagramm sensibilisiert, was auch dazu führte, dass er eine bessere Eigenwahrnehmung entwickelte und seinen Kollegen auch unvoreingenommener entgegentreten konnte.
Er kann jetzt gelassener mit Situationen umgehen, die Spannung in ihm und im zwischenmenschlichen Bereich haben sich deutlich verbessert und er wird seiner Aufgabe als Schulleiter besser gerecht. Auch das Schwitzen während der Konferenzen hat sich auf ein übliches Maß normalisiert.
Im nächsten Fall geht es um die 43-jährige Anja F., die unter migräneartigen Kopfschmerzen und Gallensteinkoliken leidet und von ihrem Mann zu mir geschickt wurde.
Detlef Rathmer, Heilpraktiker und Homöopath, u.a. Autor der Bücher „Wer du wirklich bist“ und „Rathmer`s großes Enneagramm-Lexikon von A-Z“
In der heutigen Ausgabe geht es um den 51-jährigen Werner T., Mathelehrer an einem Gymnasium, der in meiner Praxis über anhaltende Hüftschmerzen klagt. Er humpelt, war bei mehreren Orthopäden, physiotherapeutische Behandlungen sind bislang wenig erfolgreich verlaufen. Er ist sehr frustriert, da er bislang relativ viel Sport gemacht hatte, Volleyball und Joggen waren seine bevorzugten Sportarten, die er nun wegen der starken Schmerzen nicht mehr ausüben kann. Über kurz oder lang rieten ihm die behandelnden Fachärzte zu einem künstlichen Hüftgelenk.
Werner T. ist jedoch skeptisch, ob er für so einen gravierenden Einschnitt in seinen Körper nicht noch etwas jung sei und schaut deshalb nach alternativen Therapieformen. Er hat sich schon sehr mit seinem Krankheitsbild auseinandergesetzt, sein Wissen über die Erkrankung wirkt sehr fundiert und sachkundig.
Im Laufe der Patientenbefragung kommt weiterhin zum Vorschein, dass der Patient auch unter fortgeschrittener Parodontose und Potenzstörungen (erektile Dysfunktion) leidet.
Seine horizontal verlaufenden Stirnfalten, sein zustimmendes Nicken und seine Ähnlichkeit mit dem Latzhosenträger Peter Lustig geben einen ersten Hinweis auf den Enneagrammtyp 5.
Auf die Frage, wie seine Umgebung ihn beschreiben würde, antwortet er spontan „sparsam und klug“. Sein Leben verliefe insgesamt sehr strukturiert und zurückgezogen. Er wirkt auf mich distanziert und sehr nachdenklich. Die Wahl des passendsten Heilmittels (sog. Simillimum) nach der Enneagramm-Homöopathie gestaltet sich somit relativ leicht.
Nach der Mittelgabe nahmen seine Hüftschmerzen deutlich ab, die Bewegungsfähigkeit wurde schrittweise wieder hergestellt und binnen eines Jahres konnte er seine Sportarten in gemäßigter Form ausüben. Auf die Frage nach der Potenz lächelte der Patient Werner T. nur verschmitzt, der Zahnfleischbefund habe sich auch gebessert.
Der zuletzt behandelnde Orthopäde sei sehr erstaunt über den deutlichen Schmerzrückgang; eine Operation wurde auf Wunsch von Werner T. auf unbestimmte Zeit verschoben. Herr T. befindet sich weiter bei mir in Behandlung und bekommt gelegentlich sein Enneagramm-Mittel zur Stärkung seiner Lebenskraft.
In der nächsten Ausgabe dieser Reihe werde ich über den 53-jährigen Schulleiter Günter L. berichten, der seit Jahren unter Versagensängsten litt.
Detlef Rathmer, Heilpraktiker und Homöopath, u.a. Autor der Bücher „Wer du wirklich bist“ und „Rathmer`s großes Enneagramm-Lexikon von A-Z“
Den beindruckenden Fall von Tanja R. möchte ich heute vorstellen.
Sie sitzt vor mir, blondgesträhnte Haare, gepflegte Erscheinung, dunkler Teint, übereinander geschlagene Beine, geschmackvolle, farblich gut abgestimmte Kleidung, tiefbraune Augen.
Vor drei Jahren hat sie ihren Mann verlassen, aber befindet sich seitdem wieder in häufig wechselnden Partnerschaften. Kein Mann genügt ihren hohen Ansprüchen und schon während ihrer Ehe war sie ständig unglücklich und mit ihren Lebensumständen nie ganz einverstanden.
Tanja R. hielt sich immer für etwas Besseres und fand keine Erfüllung in ihrem Leben. Seit ca. 10 Jahren trinkt sie regelmäßig größere Mengen Alkohol, was sich auch in immer wiederkehrenden Magenschleimhautentzündungen widerspiegelt.
Aufgrund ihrer Depression ist sie in psychologischer Behandlung und bekommt 20 mg Citalopram ® täglich.
Erst auf einem Foto von ihr konnte ich ihren Blick genauer analysieren und erkannte deutliche Hinweise auf den Enneagrammtyp 4 – eine Hypothese, die sich dann während der weiteren Anamnese bestätigte.
Dieser Fall gestaltete sich äußerst schwierig, denn erst durch eine langwierige Behandlung mit ansteigenden Potenzen des spezifischen homöopathischen Heilmittels gab es langsam aber erkennbar Verbesserungen.
Nur durch die hohe Treffsicherheit der Enneagramm-Homöopathie war ich mir des Heilmittels sicher. Wahrscheinlich hätte ich durch die ausschließliche Anwendung der Klassischen Homöopathie zu schnell das Mittel gewechselt, weil es in diesem Fall nicht klar erkennbar gewesen wäre.
Das Enneagramm-Wissen hat mir hier zu einer erfolgreichen Behandlung verholfen.
Die Menge und Häufigkeit des Alkoholkonsums reduzierte sich, die depressiven Phasen wurden spürbar weniger. Das Citalopram konnte vor drei Monaten abgesetzt werden.
Gelegentlich trinkt diese Patientin noch ein bis zwei Gläser Rotwein, sie ist sich aber dessen bewusst, dass das nicht der Regelfall sein darf.
Die Eigenwahrnehmung, sie sei „die Prinzessin auf der Erbse“ und etwas ganz Besonderes, hatte in der letzten Konsultation merklich abgenommen.
Vor zwei Wochen berichtete die Patientin mir, dass sie mit ihrem Ex-Ehemann einen gemütlichen Abend verbracht habe und eine Annäherung stattgefunden hat. Die Patientin wird weiter von mir behandelt und weitere Bewusstseinsprozesse werden sicher noch folgen.
In einer der nächsten Ausgaben geht es um den 51-jährigen Werner T., dem eine Hüftoperation bevorstand und der dem Typ 5 des Enneagramms entspricht.
Detlef Rathmer, Heilpraktiker und Homöopath, u.a. Autor der Bücher „Wer du wirklich bist“ und „Rathmer`s großes Enneagramm-Lexikon von A-Z“
Im Rahmen dieser Reihe von Beiträgen zur Enneagramm-Homöopathie möchte ich den Fall von Mario S. (46 Jahre) schildern, der zu mir in die Praxis kommt wegen Burnout und seinen ruhelosen Beinen mit Gefühlsstörungen darin.
Das sog. Restless-Legs-Syndrom (RLS) wurde bereits in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts von dem englischen Arzt und Neurologen Thomas Willis beschrieben, allerdings tritt es heutzutage immer deutlicher und öfter in Erscheinung als neurologische Erkrankung mit willkürlichem und mitunter unwillkürlichem Bewegungsdrang in den Beinen und Füßen, seltener in den Armen.
Damit einher leidet Mario S. unter dem sog. Burnout-Syndrom („Ausgebranntsein“), einem Zustand ausgesprochener emotionaler Erschöpfung mit deutlich reduzierter Leistungsfähigkeit aufgrund einer beruflichen Überbelastung als Koch. Sein Hausarzt hat ihn bereits drei Wochen krankgeschrieben, nun sitzt er vor mir und bittet um eine ganzheitliche homöopathische Behandlung, damit er auf Dauer wieder arbeitsfähig wird.
Auf psychischer Ebene dominieren bei ihm starke Verzweiflung, ein fortschreitendes Gefühl der Wertlosigkeit, starke Existenzängste sowie Phasen von Gleichgültigkeit und Hoffnungslosigkeit. In seiner Arbeit als Koch fühlt er sich permanent unter Zeitdruck, von seinem Chef nicht respektvoll und oft unfair behandelt und leidet auch unter der Unsicherheit seines Arbeitsplatzes aufgrund des Rückgangs der Restaurantbesucher in den letzten Jahren.
Ein gehetzter und überlasteter Mensch
Vor mir sitzt ein gehetzt wirkender, unruhiger und total überlasteter Mann, der auf mich sehr distanziert und emotional leer wirkt. In den letzten Jahren habe er nach eigenen Angaben unermüdlich gearbeitet, denn er brauche dieses Gefühl, dass er seine Leistung bringt, seine Frau würde ihn als „Workaholic“ bezeichnen.
Natürlich brauche er auch das zusätzliche Einkommen durch seine zahlreichen Überstunden, die er trotz seiner familiären Verpflichtungen (Frau und drei Kinder) immer mitgenommen habe für seine teueren Hobbys (Sportwagen, Motorrad, Drachenfliegen). Er habe hohe Erwartungen an das Leben, die er stets zu erfüllen versuchen würde.
Schon früh lernte er als kleiner Junge, Erwartungen und Träume seines Vaters zu erfüllen. Anerkennung in Bezug auf Aufgaben und Leistungen war ihm immer sehr wichtig und er suchte stets den Weg des geringsten Widerstandes, um äußerlich erfolgreich zu sein. Es sei ihm sehr wichtig, sein Image als erfolgreicher und dynamischer Mensch aufrecht zu erhalten, alles andere würde er diesem Wunsch unterordnen.
Doch nun habe das Leben ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, sein ganzes erfolgreiches Selbstbild würde durch seine Erkrankung langsam aber sicher immer mehr zerstört.
Homöopathische Behandlung des Burnouts
Mario S. erhält am Ende der Anamnese auch aufgrund seiner nach außen gerichteten, unnahbaren Blickqualität und seines gefühllos wirkenden Gesichtsausdrucks die Diagnose: Typ 3 des Enneagramms. Er bekommt daraufhin das diesem Typus von Mensch entsprechende Heilmittel aus der Enneagramm-Homöopathie. Zwei Wochen nach Mittelgabe berichtet der Patient in der Folgeanamnese über eine leichte Stimmungsaufhellung, ansonsten hat sich aber die Symptomatik des Patienten nicht deutlich verbessert.
Im Laufe der kommenden Monate verordne ich – weil ich mir der Diagnose sicher bin – ihm in größeren Abständen das Heilmittel in unterschiedlicher Dosierung, bis schließlich allmählich nach ca. vier Monaten der spürbare Durchbruch kommt. Seitdem sind seine unruhigen Beine Vergangenheit und er arbeitet wieder mit Freude in seinem Beruf als Koch, allerdings ohne die üblichen Überstunden, sodass auch seine Familie nun von seiner Gesundung profitieren kann.
Mario S. ist auch durch die Behandlung mit der Enneagramm-Homöopathie bewusst geworden, dass er nicht den materiellen Verlockungen dieser Welt verfallen sollte als Ersatz für echte Gefühle. Seitdem ist er sich der Möglichkeit des Scheiterns durch das einseitige Streben nach äußerem Erfolg bewusst und zieht eine deutliche Grenze zwischen der Arbeitswelt und seinen privaten Lebensumständen.
Gefördert wurde seine Entwicklung auch durch die intensive Beschäftigung mit dem Typ 3 des Enneagramms. Er wurde sich der Prinzipien seines Enneagramm-Typs bewusst. Damit erkannte er, wer er wirklich ist und konnte authentischer auftreten.
Anmerkung: Zu den klassischen homöopathischen Anamnesemöglichkeiten bietet die Enneagramm-Homöopathie ein zusätzliches Werkzeug, um die Probleme des Patienten ganzheitlich treffsicher zu erfassen. Bitte behandeln sie sich nicht selber, sondern suchen Sie einen qualifizierten Therapeuten auf.
Im nächsten Beitrag dieser Reihe über die Enneagramm-Homöopathie geht es um die 44-jährige Tanja R., die unter Depressionen und Alkoholismus leidet.
Detlef Rathmer, Heilpraktiker und Homöopath, u.a. Autor der Bücher „Wer du wirklich bist“ und „Rathmer`s großes Enneagramm-Lexikon von A-Z“
Die neue Enneagramm-Homöopathie stößt gerade auch bei praktizierenden Homöopathen oft auf Unverständnis und einseitige, vorurteilsbehaftete Ablehnung. Nachfolgend einige Gedanken zum besseren vertiefenden Verständnis der Enneagramm-Homöopathie:
Im übrigen kennen wir ja aus der klassischen Homöopathie durchaus auch den anerkannten Ansatz der Typisierung in Form von dynamischen Arzneimittelbildern, beispielsweise den Pulsatilla-Typ oder den Sulphur-Typ oder den Ignatia-Typ usw…, dennoch wissen wir als Homöopathen ja genau, dass jeder Fall einzigartig ist und jeder Patient individuell behandelt werden muss. Das Neue an dieser Herangehensweise der Enneagramm-Homöopathie ist allerdings, dass man neben den ansonsten in der klassischen Homöopathie auch üblichen Fragestellungen und neben dem wichtigen Gemütszustand des Patienten durch das „Tool“ des Enneagramms eine zusätzliche, universelle Ebene zur Verfügung stehen haben, welche wir motivationale Ebene nennen könnten oder auch die intrinsische Motivation eines Menschen. Diese liegt noch tiefer und unbewusster als die reine Verhaltensebene in jedem Menschen vor, noch unterhalb der schon relativ tiefen Verhaltensebene des Menschen bzw. Patienten. So ist durchaus vorstellbar, dass sich zwei Patienten in sehr ähnlicher Weise verhalten, auch im Rahmen ihrer Erkrankung, aber doch aus sehr unterschiedlichen Motivationen heraus handeln. Wie heißt es doch so schön im Volksmund: „Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe!“
Auf diese Art und Weise der Betrachtung ist es dem Homöopathen möglich, auch die wahre Motivation eines Patienten, nicht nur sein allgemeines Thema, erkennen zu können, denn paradoxerweise gibt es zwar unendlich viele Krankheits- und Gemütszustände von Menschen, aber nur eine relativ begrenzte Anzahl von diesem Verhalten zugrundeliegenden intrinsischen Faktoren, also der Frage, welche tiefere Motivation einen Menschen antreibt und letztlich einseitig gelebt auch krank macht. Das Enneagramm, welches ja ursprünglich überhaupt nichts mit der Homöopathie zu tun hat, gibt hierauf eine unglaublich präzise Antwort, indem es wie eine Landkarte die unbewussten, bislang unerforschten Gebiete der menschlichen Motivation widerspiegelt.
Nachdem man dann durch die Typbestimmung nach dem Enneagramm den jeweiligen „blinden Fleck“ eines Menschen/Patienten erkannt hat, folgt als nächster Schritt die eigentliche Hierarchisierung und Repertorisation nach allen notwendigen und zu Recht geforderten Regeln der klassischen Homöopathie. Daher steht der Einsatz eines zusätzlichen Erkenntnis-Tools, wie wir es beim Enneagramm, einer alten Menschentypenlehre nur eines im Wege: Die eigenen Vorurteile, die natürlich schnell aufkommen, gerade wenn man als sog. klassischer Homöopath von dieser neuen Methode zum ersten Mal hört und die eigene klassisch-homöopathische Lehre und das womöglich jahrzehntelang aufgebaute Wissen in akuter Gefahr sieht. Man muss hier in der Tat sehr vorurteilsfrei an diese Enneagramm-Homöopathie herangehen, bevor man vorschnell sein Urteil über diese fällt, was ja eigentlich zum grundlegenden Handwerkszeug jedes echten und wahren Homöopathen gehören sollte: Aufmerksames, vorurteilsfreies Wahrnehmen auch neuer Wege!
Nun, die Enneagramm-Homöopathie wird auch die 9-Mittel-Therapie genannt und nun wittert gar fast jeder Homöopath (ich damals, als ich von der Verbindung zwischen Homöopathie und Enneagramm zum ersten Mal hörte, übrigens ebenfalls!) in aller Regel „Hochverrat“ an der Homöopathie. Das ist auch überaus verständlich, denn die Beschränkung auf „nur“ 9 Heilmittel ist scheinbar eine höchst unzulässige Reduktion für einen echten Homöopathen und daher erst einmal indiskutabel, gehört einfach nicht in das eigene Weltbild. Und doch wissen alle Homöopathen, wenn sie mal wirklich ehrlich mit sich selbst wären, dass es auch trotz umfangreicher Auswertung der Patientenfälle nach den Regeln der klassischen Homöopathie häufig die sog. Polychreste (in der Homöopathie wird der Begriff Polychreste („zu vielem nützlich“, von griechisch πολύς, viel und χρηστός, brauchbar, nützlich) für einige homöopathische Arzneimittel verwendet, die nach Ansicht der Homöopathen viele unterschiedliche therapeutische Anwendungsbereiche abdecken und daher häufig eingesetzt werden.) sind, die letztlich überdurchschnittlich häufig verordnet werden, das waren damals (zu Hahnemann’s Zeiten, dem Begründer der Homöopathie) wie heute ca. 80-100 unterschiedliche homöopathische Arzneimittel, auch wenn es natürlich gerade heutzutage noch deutlich mehr gibt (ca. 3000-5000 Mittel). Davon haben aber die meisten, das zeigt schon ein kurzer Blick in eine gute Arzneimittellehre, einen doch eher engen Anwendungsbereich, können u.U. aber durchaus (oft organotrop, d.h. rein organbezogen und nach körperlichen Gesichtspunkten verordnet) ebenfalls bemerkenswerte Heilerfolge zeigen (z.B. Arnika, Ledum oder Symphytum bei unterschiedlichen Arten von akuten Verletzungen).
In aller Regel liegt der Schwerpunkt der Arbeit eines Homöopathen allerdings auf der homöopathischen Behandlung chronisch kranker Menschen. Hier kommen dann fast ausschließlich die eben erwähnten Polychreste, das sind Mittel wie Lycopodium, Sulphur, Pulsatilla, Sepia, Natrium muriaticum, Arsenicum album, Lachesis usw… verstärkt zum Einsatz und der Homöopath legt dabei seinen Fokus dabei vor allem, nicht ausschließlich, auf den Gemütszustand/das Verhalten des Patienten (siehe dazu die Vorgehensweise namhafter klassischer Homöopathen wie Kent, Vithoulkas, Sankaran etc., um nur einige zu nennen) und verordnet etwa 30-80 Mittel, je nachdem, wie tiefgreifend er den Fall in seiner Gesamtheit zu erfassen im Stande ist. Je mehr man sich bei der Auswahl des passendsten Heilmittels für den Patienten auf das Gemüt und das allgemeine Patientenverhalten fokussiert und verlässt bei der Repertorisation bzw. der Verordnung eines passenden Heilmittels, desto weniger zentrale Heilmittel kommen dabei paradoxerweise zum Einsatz. Geht man dann schließlich noch eine Ebene unterhalb des Gemüts des Patienten, wie es durch den neuen Einsatz des Enneagramms in der Homöopathie erst möglich wird, befindet man sich wirklich im Kern- oder Ursprungsbereich jeglichen Verhaltens des Menschen und somit auch des Patienten auf der Ebene der schon anfangs erwähnten intrinsischen Motivation. Hier auf dieser Ebene der motivationalen Betrachtung sind paradoxerweise „nur“ noch 9 allerdings sehr tiefgreifende Heilmittel aus dem gesamten Arzneimittelschatz der Homöopathie notwendig, welche logischerweise auch eine besonders tiefgreifende Wirkung auf den Patienten besitzen, weil genau diese Mittel aufgrund jahrhundertelanger homöopathischer Erfahrung das Potenzial besitzen, die beschriebene motivationale Ebene eines Menschen bzw. Patienten wieder in ein relatives gesundes Gleichgewicht zu bringen, sprich die vis vitalis, die den Menschen belebende immaterielle Lebenskraft direkt und ohne Umwege über den Körper zu informieren (aus diesem Grunde arbeiten Homöopathen mit sog. Hochpotenzen, weil gerade durch diese immateriellen, informationellen Arzneien eine Information der immateriellen Lebenskraft erst nachhaltig und tiefgreifend möglich wird!).
Dieselben universellen Prinzipien, vor allem das Ähnlichkeitsprinzip (welches auf einem analogen Weltbild aufbaut) die wir auch im Rahmen der Homöopathie vorfinden, gelten ebenso in der jahrtausendealten Enneagrammlehre mit ihren universellen Prinzipien, deren Ursprünge nachweislich mindestens bis ins Mittelalter, aber bruchstückhaft auch bis in die Antike reichen, da gab es durchaus auch schon große Geister, Forscher, Denker und Philosophen, die die wahren Ursachen von Krankheit und dem damit eng verbundenen menschlichen Verhalten und deren zugrundeliegenden Motivation ähnlich wie ein Dr. Samuel Hahnemann (Begründer der Homöopathie) durch empirische Beobachtungen wirksam erforschten. Hahnemann selbst war ja ebenfalls u.a. durch das Studium antiker Schriften zumindest inspiriert worden, sein großes Lebenswerk oft entgegen der damaligen herrschenden Meinungen und Paradigmen in der Medizin unerschrocken und an der Wahrheit orientiert erfolgreich zu entwickeln. Er war zudem Freimaurer, ähnlich wie Goethe und viele andere großen Geister seiner Zeit, was natürlich nichts beweisen soll und kann, aber durchaus zeigt, dass auch er sich mit Themen außerhalb zeitgenössischer und herrschender wissenschaftlicher Grundlagen, die wir z.B. heute vorschnell als unzulässige Esoterik brandmarken, beschäftigte. Auch beim Enneagramm, wenn man in der Lage ist, diesem System vorurteilsfrei zu begegnen, steht der Mensch im Zentrum der Beobachtungen, aus denen das Enneagrammwissen sich über Jahrtausende hinweg entwickelt hat, es ist eben genau das Gegenteil eines erdachten Systems, sondern basiert genau wie die Homöopathie auf empirischen Grundsätzen und auch im Enneagramm gilt der Ähnlichkeitsgedanke genauso wie in der Homöopathie, ja das Enneagramm ist anders als durch ein analoges Verständnis der Wirklichkeit dem Menschen gedanklich erst gar nicht wirklich zugänglich. Wer sich natürlich im Enneagramm nicht auskennt, der hält es vorschnell für das „Zusammenspinnen leerer Einfälle und Hypothesen über das innere Wesen der Lebensvorgänge“, diese einseitige Denkweise ist eben nicht analog, sondern entspringt einen nach wie vor herrschenden analytisch-linearem Verständnis der Wirklichkeit, welches natürlich schnell einen „Beweis“ findet, indem man wie heute üblich beispielsweise das Stichwort „Enneagramm“ googelt und? Tatsächlich, die Skepsis wird untermauert, es ist scheinbar nur ein „esoterisches Gedankenkonstrukt“ von irgendwelchen Spinnern, das kann man alles „glasklar“ nachlesen. Was dabei aber vergessen wird, dass man auf gleiche Weise unter dem Stichwort „Homöopathie“ Ähnliches findet, denn die Stimmen der Homöopathie-Gegner wollen trotz nachweislicher Heilerfolge bis zum heutigen Tage merkwürdigerweise ebenfalls nicht verstummen. Man kommt also faktisch nicht drum herum, sich – natürlich nur bei wirklichem Interesse, ansonsten sollte man es besser sein lassen – sich mit dem Thema zu beschäftigen und es nicht vorschnell verteufeln oder sonstwie in Misskredit zu bringen, denn als Homöopathen wissen wir aus eigener oft leidiger Erfahrung was es bedeutet, mit unzulässigen „wissenschaftlichen“ Methoden in die Ecke der „Placebo-Quacksalberei“ gesteckt zu werden. Alle großen Homöopathen bedienten sich in für Ihre Zeit neuer und zugleich auch uralter universeller Ideen und Weltanschauungen, die man zu der jeweiligen Epoche nach herrschender Anschauung regelmäßig massiv anzweifelte und einseitig abwertend vorschnell verdammte, die sich aber im Nachhinein doch als richtungsweisend und richtig, im Falle der Homöopathie als wahrhaft heilsam erwiesen. Paradigmenwechsel bedürften eben eines großen Zeitraums, damit sich das Wissen zum Wohle der Menschheit wirklich entwickeln kann, weil Vorurteile gegenüber Neuem oft nicht nur hartnäckig in den Köpfen von Menschen überleben, sondern sogar bisweilen an die Nachkommen „vererbt“ werden. Die Homöopathie wird bis heute von großen Teilen der Bevölkerung immer noch belächelt trotz ihres Bestehens seit 1790, aber wir als Fachleute in diesem Bereich wissen aus täglicher Praxiserfahrung, dass sie immer wieder und gerade aufgrund der besonderen homöopathischen Betrachtungsweise auf das Wesen von Krankheit im Stande ist, erkranke Menschen wieder gesund zu machen und dass diese vornehme und anspruchsvolle Aufgabe nur wenigen Heilmethoden innewohnt, die damit das Etikett der wahren Heilkunst wirklich verdienen. Wir sollten also auch anderen Systemen nicht einseitig abwertend gegenüberstehen, nur weil wir sie nicht kennen oder verstehen, sondern vielmehr Offenheit zeigen, so wie der damalige Homöopath Konstantin Hering (1800-1880) auch zunächst angetreten war, im Rahmen seiner Doktorarbeit die Homöopathie zu widerlegen, dann aber bei dieser Arbeit vom Gegner zum glühenden Verfechter der Homöopathie und später zu einem der größten Homöopathen wurde.
Schließlich möchte ich in diesem Zusammenhang noch erwähnen, dass ich der Autor des weltweit umfangreichsten Gemütsrepertoriums in der Homöopathie bin (welches in diesem Monat als Zusatzmodul bei Radar Opus erschien) und damit nur deutlich machen, dass diese neue Form der Homöopathie nicht von irgendeinem unwissenden Spinner oder abgehobenen Träumer weiterentwickelt worden ist und wird. Ich persönlich habe mich mehr als 25 Jahre täglich und intensivst mit dem psychologischen Verhalten von Patienten beschäftigt und dieses auch durch meine zahlreichen Publikationen der Fachwelt hinterlassen dürfen. Denn gern stellt man Neues vorschnell aber letztlich voller eigener Vorurteile in Frage, jeder kann und sollte durchaus seine eigene Meinung zu jedem Thema vertreten, aber dabei achtgeben, dass er andere Ansätze aus seiner eigenen engen Sichtweise heraus nicht ungerechtfertigt in Misskredit bringt. Da würde übrigens die alleinige Beschäftigung mit dem Enneagramm schon sehr hilfreich sein, zeigt es doch für alle, die an wahrer Selbsterkenntnis interessiert sind, sehr präzise die eigenen „blinden Flecke“ (= intrinsische Motivation) auf. Oder um es mit den Worten Hahnemanns zu sagen: Aude sapere – wage es, weise zu sein! In diesem Sinne wünsche ich allen Homöopathen weiterhin gute Heilerfolge bei ihren Patienten und eine erfolgreiche Selbsterkenntnis zum Wohle ihrer Patienten!
Zur Verdeutlichung des Gesagten abschließend noch folgendes Schaubild über die verschiedenen möglichen Ebenen homöopathischer Heilung, wobei jede Ebene ihre Berechtigung und ihren Platz hat. „EH“ bedeutet hier „Enneagramm-Homöopathie“, wobei mir dazu noch eine Anmerkung dazu wichtig erscheint: Auf der äußeren Ebene der sog. organotropen Homöopathie sind sehr viele homöopathische Heilmittel notwendig mit einem jeweils relativ kleinen Anwendungsbereich (Beispiel: Arnika bei bestimmten Verletzungen). Je man dann in Richtung der Kreismitte kommt nimmt die Anzahl der verordneten Heilmittel stark ab, aber der jeweilige Anwendungsbereich der dann noch in Frage kommenden essenziellen Heilmittel in der Homöopathie nimmt entgegengesetzt dazu zu (Polychreste). Auf die tiefsten Ebene von Heilung im Rahmen der Enneagramm-Homöopathie benötigen wir dann „nur“ noch 9 ausgewählte Heilmittel aus dem insgesamt großen Arzneimittelschatz der Homöopathie. Diese 9 zentralen Heilmittel (die nicht einfach erdacht worden sind, sondern sich als die hilfreichsten Homöopathika nach der gemütsorientierten Homöopathie erwiesen haben!) decken dann alle menschlich möglichen essenziellen Zustände rundum ab und haben nach Mittelverordnung eine unmittelbare Wirkung auf die intrinsische Motivation (s.o.) und deren energetischem Ungleichgewicht als Ausdruck der verstimmten, zu behandelnden Lebenskraft (vis vitalis) eines kranken Menschens. Die Enneagramm-Homöopathie basiert damit auf einer sehr langen und intensiven Forschung im Rahmen der Klassischen Homöopathie, ist damit eine Weiterentwicklung dieser und trotzdem weicht sie nicht von den Grundsätzen und allgemeinen Regeln der klassischen Homöopathie ab. Sie ist also ein immanenter Teil der klassischen Homöopathie, der sich im Laufe der Jahrhunderte qualitativ verdichtet hat, womit auch die beeindruckendenHeilerfolge mit dieser noch jungen Art der Homöopathie zu erklären sind. Als Homöopath begann ich vor über 25 Jahren meine Ausbildung auf den äußeren Ebenen und durch die vielen Jahre der praktischen Anwendung der Homöopathie stieß ich schließlich dank des hilfreichen Diagnose-Tools des Enneagramms zur Heilung des Kern der menschlichen Psyche (der intrinsischen Motivation nach dem Enneagramm) vor:
Detlef Rathmer, Heilpraktiker und Homöopath, u.a. Autor der Bücher „Wer du wirklich bist“ und „Rathmer`s großes Enneagramm-Lexikon von A-Z“
Anfang Januar 2015 kommt Maike S. (37 Jahre) mit dem Wunsch schwanger zu werden in meine Praxis. Seit drei Jahren strebt sie eine Schwangerschaft an, vergebens. Durch die ganzheitliche Methode der Enneagramm-Homöopathie hofft sie, dass ihr größter Wunsch, ein Kind zu bekommen, in Erfüllung geht. Daneben litt sie seit ihrer Jugend immer wieder unter Phasen von Bulimie (Ess-Brechsucht) und unter ständig wiederkehrenden Harnwegsinfekten.
Das Hauptproblem ist für sie ihre Unfruchtbarkeit, die sie psychisch stark belastet. Oft weint sie stundenlang abends bis zum Einschlafen und trotz großem sexuellen Verlangen ändert auch häufiger Geschlechtsverkehr nichts am Zustand der ungewollten Kinderlosigkeit. Während der Anamnese (Patientenbefragung) sitzt mir eine sehr freundlich-gefällige, emotional sehr offene und selbstbewusste Frau gegenüber, doch als das Thema ihrer Sterilität angesprochen wird, wird sie schlagartig traurig und ihr Blick senkt sich, wobei sich ihre blauen Augen langsam mit Tränen füllen.
Nach den Erkenntnissen der Enneagramm-Lehre entspricht Maike S. dem Typ 2, dem Geber oder Helfer: Liebesorientiert, ein wenig theatralisch in ihren Äußerungen mit einer gesunden Portion Stolz, aber trotz allem emotional sehr sensibel, mitfühlend, verständnisvoll und im Zweifel mehr an andere denkend als an sich selbst. Sie ist freigiebig, hilfsbereit und großzügig und würde einfach alles tun für eine erfolgreiche Schwangerschaft. Die Untersuchungen bei verschiedenen Ärzten hätten zweifelsfrei ergeben, dass bei ihrem Mann alles in Ordnung sei und das Problem wohl bei ihr läge. Traurig berichtet sie, dass sie bestimmt eine wunderbare Mutter wäre; die Verzweiflung steht ihr ins Gesicht geschrieben.
Das Verhalten, die Lebenssituation, ihre bisherigen Motivationen und Handlungsmuster sowie vor allem ihre Blickqualität sprechen eine eindeutige Sprache für den Enneagramm-Homöopathen. Während sie viel über sich selbst und ihre Gefühle erzählt, versucht sie -Typ 2-typisch – die Gegenwart bestmöglich auszudehnen, man hat das Gefühl, sie wolle nie mehr gehen; ich habe als Therapeut das starke Bedürfnis, ihr auch den benötigten zeitlichen und emotionalen Raum zu geben und verordne ihr schließlich das im Rahmen der Enneagramm-Homöopathie entsprechende Heilmittel für den Typ 2.
Danach höre ich über zwei Monate nichts von ihr. Erst Mitte März 2015 ruft sie mich an und beginnt das Telefonat mit der freudigen Botschaft: „Überraschung – ich bin endlich schwanger und mir geht es wunderbar!“
In der nächsten Ausgabe dieser Reihe wird es im Rahmen von Typ 3 des Enneagramms um die Behandlung eines 46-jährigen Mannes mit Burnout- und Restless-Legs-Syndrom gehen.
Detlef Rathmer, Heilpraktiker und Homöopath, u.a. Autor der Bücher „Wer du wirklich bist“ und „Rathmer`s großes Enneagramm-Lexikon von A-Z“